Über den öffentlichen Gebrauch der Historie

 
Jürgen Habermas

Das Buch

 

Hauptfragen des Buches laut Volker Ullrich – 12.4.1996 – ZEIT

Wie konnte der Holocaust geschehen?

Warum geschah er gerade in Deutschland?

Antwort des Buches

Morden aus Lust, entstanden aus dem deutschen Antisemitismus des 19. Jahrhunderts. Das Fehlen eines Unrechtsempfindens. Der Holocaust wurde so zum nationalen Projekt der Deutschen.

Kritikpunkte am Buch

 

Vergleich mit anderen Ländern & Genoziden

Monokausal und zu einfach

Voyeurismus, Effekthascherei, für Medien erzeugte Inhalte

Querschnitt über das Polizeibataillon 101 lässt keine Rückschlüsse auf die Mehrheit der Bevölkerung zu.

Historikerstreit 2.0

 

Im Frühjahr 1996 wurde die überarbeitete Dissertation von Daniel Jonah Goldhagen “Hitlers willige Vollstrecker” in den USA veröffentlicht. Schnell entwickelte sich darüber eine rege Diskussion.

Habermas: Moralisierer vs. Verleugner

Die “Goldhagen-Debatte” : ein Historikerstreit in der Mediengesellschaft / Michael Schneider.
https://www.fes.de/fulltext/historiker/00144.htm

Wissenschaft für eine breite Öffentlichkeit

 

“So deutlich wie kaum zuvor kam es zu einer Symbiose von geschichtswissenschaftlichem Werben um Öffentlichkeit und Skandal-Bedürfnis der Medien.”

Aber: kann das Thema Holocaust in Deutschland überhaupt nüchtern ausgetragen werden?

Frontalangriff auf deutsche Geschichtswissenschaften

 

Zweifel am von den USA und “jüdischen Kolumnisten” geprägten Diskurs.

Dämonisierung durch Beispiele statt kühler Wissenschaftlichkeit.

Unsachlichkeit und Fehlen von wissenschaftlichem Mehrwert

Diabolisierung der Deutschen über die Zeit.

Über den öffentlichen Gebrauch der Historie

 

Jürgen Habermas schrieb diesen Text anlässlich der Verleihung des Demokratiepreises an den amerikanischen Historiker Daniel Goldmann, der 1996 mit seinem Buch „Hitlers willige Vollstrecker” eine rege Diskussion ausgelöst hatte.

Ist der Preis gerechtfertigt?

 

Laut Habermas ja, denn das Buch schafft es ein breites Publikum für die Zeitgeschichte zu interessieren.

Die von Goldhagen angestellten Forschungen sind auf die Fragen zugeschnitten, die sein Publikum interessieren.

Warum Geschichte?

 

Annahme: Kontinuitäten wirken weiter in Gesellschaften. 

“Die Juden repräsentieren eine Art Riss im deutschen kulturellen Gewebe…”

 

Die Angst der Konservativen

 

Traditionen und die Werte die sich daraus ergeben machen ein Volk stark. 

 

Studienzentrum Weikersheim

 

Das Studienzentrum Weikersheim (SZW) wurde 1979 gegründet, um die geistige Auseinandersetzung mit der Kulturrevolution von 1968 zu führen und zu bündeln und im Sinn eines freiheitlichen, christlich fundierten Konservatismus auf die Grundlagen des freiheitlichen Rechtsstaates zu verweisen.

Gegenüber dem immer noch vorherrschenden Attentismus der Politik fordert das SZW eine gezielte und durchdachte Bevölkerungs- und Familienpolitik. Wir müssen kehrt machen aus der fatalen Sackgasse, als die sich die Verbindung von wachsender Erwerbsarbeit, hedonistischer materieller Selbstverwirklichung und Feminismus erwiesen hat.

Die Gesellschaft ist auf dem Weg zu einer Multiminoritätenstruktur, in der das zum Überleben notwendige kulturelle Zentrum zu verschwinden droht. Die Politik ist aber nicht ermächtigt, das deutsche Volk gegen eine beliebig andere, neue Bevölkerung auszutauschen.

http://studienzentrum-weikersheim.de

Die Schuldfrage

 

Jurist vs Historiker: Eine Frage der Perspektive auf dieselbe Sache, allerdings mit verschiedenen Folgen für Zeitgenossen und Nachgeborene. 

 

Zurechnung

 

“Offenbar hängt es nicht nur von den Tatsachen, sondern auch von unserem Blick auf die Tatsachen ab, wie wir Fragen der Zurechnung entscheiden.”

 

Das verkehrte Gute

 

“Böse ist nicht die schiere Aggression als solche, sondern die, zu der sich der Täter berechtigt glaubt.”

 

Ein Querschnitt der Gesellschaft?

 

Sind die Deutschen ein Volk von Mördern?